23.10.12

Der einzige Grund

Als ich zur Welt kam, 1971, waren meine Eltern beide voll berufstätig. Unser 3-Familienhaus beherbergte zu der Zeit noch den Schreibwarenladen zuzüglich Lotto und Tabakwaren im Erdgeschoss. Den betrieben meine Großeltern, die in der mittleren Etage auch ihre Wohnung hatten. Meine Eltern wohnten ganz oben, wo heute unser zuhause ist.
Im Laden und der dahinterliegenden Wohnung bin ich praktisch bis zu meinem 10. Lebensjahr groß geworden ... und war schwer begeistert von dieser Geschäftswelt. Man kannte fast jeden mit Namen, die Familien und was sonst noch alles dazugehörte. Viel Nachbarschaft kam, um den Lottoschein auszufüllen - freitags war damals der sog. Annahmeschluss. Mein Opa musste die Lottoscheine noch eigenhändig in eine eigens dafür vorgesehene Kiste packen und zur Filialleitung bringen. Ich fuhr oft mit. Immer, aber auch wirklich immer habe ich gesagt, dass ich den Laden eines Tages übernehmen möchte, nein will.

Aber da das Leben nur sehr selten so läuft, wie man sich das als Kind gedacht hat, gibt es den Laden schon lange nicht mehr und meine Eltern bauten den Laden 1994 um in ihre jetzige Wohnung.

Vor etwa 4 Jahren habe ich dann die kleine Werkstatt eröffnet, weil die Sehnsucht nach Verwirklichung meiner kindlichen Wünsche so stark war. Zwar nicht mit Schreibwaren, sondern mit Wohnaccessoires, aber eben mein eigener kleiner Laden. Meine Vergangenheit, der einzige Grund für dieses winzige Lädchen.
Mittlerweile bin ich allerdings ernüchtert. Unsere Straße ist nicht mehr die Geschäftsstraße, die sie einmal war. Und ein Laden ohne ein Schaufenster, ist irgendwie auch kein richtiger Laden.

Trotzdem mache ich weiter - vorerst. Denn so ganz lässt mich diese "alte Liebe" nicht los.

Heute in Bildern ein paar Zeitzeugen von damals. Nach und nach werde ich die mir am Herzen liegenden Dokument rahmen ... und mich mit Freude an die ersten 10 Jahre meines Lebens erinnern.

Danke für´s "Zuhören" meine Lieben,
Steph

Geschäftsstempel meiner Oma ...

... den sie mir jetzt geschenkt hat.

Gelernt hatte mein Opa was ganz anderes: Schuhmacher, wie sein Vater

1954 dann die Geschäftseröffnung

Kommentare:

  1. ein schöner post, liebe steph. wahrscheinlich begleitet uns bewusst und unbewusst sehr viel aus unserer kindheit ein leben lang...und du lebst ja auch viel davon;) aber, dass dawanda kein echtes schaufensterlädchen ersetzen kann, ist tatsächlich ein fakt;(
    übrigens ist mir heute erst richtig klar geworden, dass mein lieblingsmann ganz aus deiner nähe kommt (havixbeck);)
    sei ganz liebst gegrüßt von birgit

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  2. Was für wundervolle Erinnerungen das sein müssen! Ich hab ähnliche an das Gasthaus meiner Großeltern - das war echt ein schöner Ort um dort seine Kindheit zu verbringen! Obwohl ich nie den Wunsch gehegt habe auch mal ins Gastgewerbe zu gehen. Da wär mir so ein Laden wie deiner viel lieber!

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  3. Ein wehmütiger, aber schöner Beitrag ist das heute von Dir. Der Enthusiasmus udn die Ernüchterung mit Ladengeschäften, das erlebe ich hier auch tagtäglcih. In unserem Viertel gibt es noch ganz viele alte kleine Ladengeschäfte und immer mal wieder wird eienr davon mit viel Liebe raktiviert. Meistens von jungen Menschen, die dort ihren Traum vom eigenen Laden verwirklichen. Nach spätestens einem Jahr ist der Laden wieder zu. Was langsam wieder funktioniert sind Bäcker, Metzger dun lebensmittelladen im Quartier, aber alles andere wird "in der Stadt" gekauft. Das ist sehr schade, liegt aber zum Teil auch an fehlenden Parkmöglichkeiten für alles, was nicht alltäglicher Bedarf ist. Menschen sind bequem.

    Gestern hatte ich das alte Kochbuch meiner Oma in der Hand udn darin fiel mir ein Brief von 1932 in dei Hände, auf dessen Rückseite sie ein Rezept notiert hatte. Zeitzeugen. Sowas hüte ich auch.

    Herzlich, Katja

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  4. Danke für die Geschichte! Ich kann gut verstehen, dass Du immer noch an dieser Idee hängst, das ist quasi vorbestimmt, aber auch etwas traurig, weil sich die Geschäftswelt so verändert hat. Ich denke auch sehr oft an das tolle Haus in Kopenhagen, was meinen Großeltern gehört hat und leider verkauft wurde. So muss man etwas neues schaffen, woran sich die eignen Kinder soäter dran erfreuen! Schöne Grüße, Wiebke

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  5. Das ist eine wunderschöne Geschichte, danke fürs Erzählen!
    zum Gegenwartsteil kann ich nur sagen: mir geht´s mit meinem Laden genau so; aus den einstmals zentralen Straßen voller wunderschöner individueller Läden ist eine Wüste mit Durchfahrtsstraße geworden, jeder bedauerts, aber kaum einer denkt um. Tun wir uns halt zusammen und halten die Fahne hoch für kleine mutige Kreative.

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  6. Liebe Steph, vielen Dank fürs Teilhaben lassen und ja, der Platz für kleine und kreative Läden ist eingeschrumpft worden. Aber ich habe das Gefühl, das es besser wird. Internet und Malls machen es nicht einfach, aber ich habe trotz alledem das Gefühl, daß viele Leute auch gesättigt sind von dieser Masse und dem Unpersönlichen...
    BTW: ich finde diese alten Handschriften immer wieder so faszinierend.

    Liebe Grüsse!

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  7. Liebe Steph, ich finde es toll das du dir deinen Traum erfüllt hast.
    Ich hege auch schon lange den Traum für ein eigenes Lädchen, schiebe es aber immer wieder auf, weil die Mieten einfach zu hoch sind.
    Ich wünsche dir das deine alte Liebe wieder aufflammt und du auf jeden Fall weitermachst, denn gerade die kleinen besonderen Läden sind es die in den meisten Städten fehlen.
    Herzliche Grüße
    Sabine

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  8. Was für eine schöne Geschichte, die Du hier mit uns teilst!!

    Ich hoffe, dass Du noch lange weitermachen kannst - denn gerade die kleinen Läden, die nicht von der Stange sind, gefallen mir sehr und machen eine Stadt besonders!

    Die großen Kaufhausketten hat doch jeder!

    Liebste Grüße zu Dir

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  9. ein bisschen wehmütig ist sie, deine geschichte. aber die erinnerungen, die dokumente daran sind so toll und ich finde es großartig, dass du sie bewahrst und dann auch an deinen paul weitergibst.
    schön, dass du uns davon erzählt hast! ich trauere immer noch dem großen obstgarten meines großvaters hinterher. heute stehen häuser darauf...
    ganz liebe grüße, mano

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  10. Zum Glück kann einem niemand solch schöne Erinnerungen an die Kindheit nehmen!

    Ich finde es so schade, dass so kleine "Dorflädchen" heutzutage keinen Bestand mehr haben... als wir vor knapp zwanzig Jahren in unser heutiges Wohnviertel gezogen sind, gab es hier noch einen kleinen "Supermarkt"... wenn ich dort Einkaufen ging, wurde ich auch mit Namen angrsprochen... das war für mich irgendwie ein Gefühl von "Heimat"... ich hoffe, Du weißt, was ich damit meine?!

    Liebe Grüße...

    Birte

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  11. Schön, dass Du weitermachst! Von einem richtigen Laden träume ich auch schon lange, aber ich weiß auch, dass ganz viel Mut dazu gehört etwas eigenes aufzubauen.
    Liebe Grüße und eine schöne Woche

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  12. Hallo liebe Steph, so ein schöner Post! Ich liebe Familientraditionen - auch wenn Du nicht das Lottogeschäft weiterführst (führen kannst) so lebt doch ein bisschen von damals in Deinem Lädchen weiter. Einen kleinen Laden führen ist heute auch nicht sehr einfach - wenn man nicht gerade ein Ladenlokal in einer Sahneschnittestraße hat, wo täglich hunderte von Leuten vorbei laufen bzw. herein kommen und kaufen. Schande über mich - ich war auch schon so lange nicht mehr bei Dir. Dabei freue ich mich immer über die schönen Sachen, die ich bei Dir gekauft habe und die immer noch in unserem Wohnzimmer hängen.
    Weiter so - und nicht aufgeben!!!
    Liebste Grüße ♥ Monika

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  13. jetzt gerade...sehr gelächelt und gefreut...auch ein wenig wehmütig aus dem Fenster ins Dunkle geschaut...von deiner Geschichte sehr bewegt...bin ich so froh, dass es Menschen wie dich gibt, die ihren Traum nicht aus den Augen verlieren und mit Mut und Zuversicht ihrem Herzen folgen...wie schön...ein Hoch aufs Wagen und Hoffen...ich drück dich und danke dir für diesen ganz besonderen Moment heute...liebste Grüsse...alles Liebe...deine i...

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