25.04.10

Der Geschichte auf der Spur

Seit jeher denke ich, dass ich im falschen Jahrzehnt geboren wurde. Um 1920-1940 wäre eher meine Zeit gewesen. Nicht dass ich denke "Ach, die gute alte Zeit" - es ist so ein Ur-Gefühl in mir. Darum interessiert mich auch alles von früher.

Ich habe viel um mein Elternhaus und die nährere Umgebung mitbekommen. Nun lebe ich seit gut 3 Jahren auch wieder hier. Und da werde ich dann manchmal sehr melancholisch.

Als ich ein Kind war, war "meine" Elter Straße ein richtig schönes Stadtteil-Geschäftsviertel. Meine Großeltern hatten einen Lotto- und Schreibwarenladen. Direkt neben uns war eine Bäckerei. Ein paar Meter weiter eine Zweite. Es gab zwei Metzger, einen kleinen Lebensmittelladen, eine Tankstelle und eine Reinigung genau gegenüber. Nah dabei die Sparkasse, einen Malermeister-Laden, Fahradhandel mit kleiner urmelgemütlicher Werkstatt und nicht zuletzt "Tante Giller" mit ihrem Eckladen, in dem man von Haarklammern über Babybrei alles kaufen konnte. Wohl so eine Art Drogerie der 60/70iger. Sprich: hier war richtig was los.

Dann war es über Jahre still - keine Bäckerei mehr, keine Tankstelle, keine Sparkasse ... Aber so langsam entwickelt sich hier wieder was (auch wenn der Supermarkt gut, aber in einem furchtbar hässlichen Neubau untergebracht ist). Aber vor allem kleinere Läden siedeln sich wieder an. Und meiner gehört dazu :-)! Bis auf 16 Jahre war immer ein Geschäft in unserem Haus. Mein Uropa hatte einen kleinen Schuhladen und war Schuhmachermeister. Meine Großeltern hatten eben jenen Lotto-Laden, der dann noch bis 1994 vermietet war. Meine Eltern wollten den nicht weiterführen und bauten zurück - weg mit der Fensterfront. Und nun bin ich da und nutze die alter Schusterwerkstatt als kleines Ladenlokal.

Warum ich das schreibe? Es gibt eine Interessengemeinschaft von Geschäftsleuten, zu denen ich nun auch gehöre. Ziel ist es, unseren Stadtteil aufzuwerten, ihm wieder richtig Leben einzuhauchen. Und da besinne ich mich auf die Wurzeln meiner Kindheit und hoffe, bei meinem ersten Dazustoßen in der nächsten Woche so etwas wie ein "Gestern & Heute" ins Leben rufen zu können.

Denn das finde ich, ist sicher: Wenn früher auch nicht alles besser war, so waren und sind die kleinen Läden damals und heute auch noch Kommunikation pur. Man kannte/kennt den Person hinter dem Verkaufstresen und die kannten/kennen ihre Kunden. Und ich finde die Zeit für eine kleine Unterhaltung beim Einkauf nach wie vor wichtig und wunderschön.

Euch einen sonnigen Sonntag,
Steph

Mein Elternhaus ca. 1927:
Urgroßeltern mit Opa und Brüdern

Mein Elternhaus ca. 1950:
1. Stufe Lotto-Laden meiner Großeltern


















Mein Elterhaus etwa Anfang der 60er:
2. Stufe Lotto-Laden meiner Großeltern;

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